Dieses Whitepaper untersucht die wirtschaftliche Tragfähigkeit autonomer Mobilitätsdienste auf SAE-Level 4 auf Basis einer Total-Cost-of-Ownership-Analyse aus dem SAFESTREAM-Projekt. Im Mittelpunkt stehen operative Kostenstrukturen, regulatorische Anforderungen und Skalierbarkeit – mit besonderem Augenmerk auf die Rolle der Technischen Aufsicht im Rahmen der deutschen AFGBV.
Die Analyse zeigt, dass frühe, pilotorientierte L4-Einsätze strukturell nicht wettbewerbsfähig sind – mit Kosten von rund 3,80 €/Fahrzeugkilometer. Diese hohen Kostenniveaus resultieren aus der begrenzten Skalierung, konservativ ausgelegten Remote-Assistance-Konzepten sowie hohen Fixkosten für Fahrzeuge, Software und Leitstellen-Infrastruktur.
Mit zunehmender operativer Reife sinken die Kosten deutlich. In stabilisierten, frühen kommerziellen Einsätzen verringern sich die Gesamtkosten auf etwa 2,50 €/Fahrzeugkilometer – vor allem getrieben durch eine bessere Auslastung, geringere Software- und Wartungskosten sowie eine effizientere Technische Aufsicht. In einer skalierten und operativ ausgereiften Konfiguration erreichen die Kosten rund 1,40 €/Fahrzeugkilometer und nähern sich damit dem Kostenbereich konventioneller Ride-Hailing-Dienste an.
Ein Vergleich mit konventionellem Taxi- und Ride-Pooling-Betrieb zeigt, dass autonome Mobilitätsdienste unter skalierten und kommerziell ausgerichteten Betriebsbedingungen bereits heute wettbewerbsfähige Kostenniveaus erreichen können – vergleichbar mit typischen Taxikosten von rund 1,40–1,50 € pro Fahrzeugkilometer.
Weitere Kostensenkungen sind innerhalb eines Zeithorizonts von fünf Jahren erreichbar – durch realistische Verbesserungen bei Software-Lizenzierung, Fahrzeugplattformen, Hub-Automatisierung und Auslastung. Unter diesen Annahmen lassen sich die Gesamtkosten auf etwa 1,16 €/Fahrzeugkilometer reduzieren. Dieses Niveau liegt unterhalb der typischen Kosten konventioneller Taxi- und Ride-Hailing-Angebote und zeigt, dass L4-MaaS-Dienste in ausgereiften, gut betriebenen Einsätzen nicht nur kostenwettbewerbsfähig, sondern sogar kostenvorteilhaft werden können.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit autonomer Mobilitätsdienste weniger von technologischen Durchbrüchen abhängt als von einem strukturierten operativen Design und einer konsequenten Umsetzung. Die Technische Aufsicht erweist sich dabei als zentraler wirtschaftlicher Hebel und nicht als bloße Übergangslösung. Autonome Mobilität wird wettbewerbsfähig, wenn sie als integriertes und skalierbares Betriebsmodell umgesetzt und nicht allein als fortschrittliche Fahrzeugtechnologie betrachtet wird.
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